Statistik-Kurs NWWan der KSK
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Statistik-Kurs NWW an der KSK

Von Rohdaten zu einer begründeten Aussage: Du lernst Statistik an Seifen, Cremes und Messreihen. Eigene Daten brauchst du noch nicht. Wenn dein Forschungsprojekt bereit ist, kannst du es am Ende direkt einbauen.

1Einordnen
2–3Beschreiben
4Prüfen
5–6Vergleichen
Zum Ausdrucken und Weiterarbeiten

Zusatzmaterialien

Lade das Begleitheft oder die Excel-Beispiele auf dein Gerät. Die Dateien können auch unabhängig vom Onlinekurs verwendet werden.

Labor 1 · etwa 35 Minuten

Welche Art von Daten habe ich?

Daten sind Antworten auf eine Forschungsfrage. Deshalb kann derselbe Gegenstand ganz unterschiedliche Daten liefern.

Ein Gegenstand – drei Datenarten

Das Seifen-Beispiel

Vier Seifen werden untersucht. Entscheidend ist nicht die Seife, sondern was genau gefragt und erfasst wird.

NominalWelche Seife gefällt am besten?

Jede Person nennt eine Seife. Danach werden die Stimmen pro Seife gezählt. Die Sorten sind Kategorien ohne natürliche Reihenfolge – deshalb sind die Daten nominal.

OrdinalBringe die Seifen in eine Rangfolge.

Welche gefällt am besten, zweitbesten, drittbesten? Die Reihenfolge ist klar, die Abstände zwischen den Rängen sind aber nicht messbar.

MetrischWie hoch ist der Schaum nach 30 Sekunden?

Die Schaumhöhe wird in Millimetern gemessen. Differenzen lassen sich sinnvoll berechnen.

Nominal

Kategorien

Keine natürliche Reihenfolge.

Blutgruppe, Farbe, Tierart
Ordinal

Rangfolge

Eine Reihenfolge ist möglich, gleiche Abstände sind aber nicht sicher.

Schulnoten, Bewertung 1–9
Metrisch

Messbare Abstände

Differenzen zwischen Werten haben eine klare Bedeutung.

Temperatur, Länge, Zeit
Übung 1

Daten-Sortierstation

0 / 8

Wähle für jede Variable die passende Datenart.

Übertrage es: Welche abhängige Variable erhebt ihr? Ordne sie nominal, ordinal oder metrisch ein.
Labor 2 · etwa 40 Minuten

Welcher Wert ist typisch?

Zuerst schauen wir, wie sich Werte verteilen. Danach wählen wir einen passenden Wert für ihre Mitte.

Was bedeutet Verteilung?

Eine Verteilung zeigt, welche Werte vorkommen und wie häufig sie vorkommen. Wenn 20 Personen eine Creme von 1 bis 9 bewerten, können viele Bewertungen bei 6 liegen, wenige bei 1 oder 9 und manche Werte gar nicht vorkommen.

Ein Häufigkeitsdiagramm macht diese Verteilung sichtbar. Ihre Form kann gleichmässig, einseitig, zweigipflig oder ungefähr glockenförmig sein. Eine zweigipflige Verteilung nennt man auch bimodal. Den Begriff schief verwenden wir, wenn sich die Werte deutlich stärker zu einer Seite ausdehnen.

KennwertSinnvoll fürBedeutung
Modalwertnominal, ordinal, metrischhäufigster Wert
Medianordinal, metrischteilt geordnete Daten in zwei Hälften
MittelwertmetrischSumme aller Werte geteilt durch ihre Anzahl
Beispiel aus deiner Excel-Tabelle

Wo liegt der Modalwert?

Wähle eine Creme. Die Balken zeigen, wie oft jede Bewertung von 1 bis 9 vorkommt.

Experiment

Der Ausreisser-Regler

Fünf Keimlinge wachsen ähnlich. Verändere den sechsten Messwert.

5 mmMesswert: Wachstum jedes Keimlings50 mm

Modalwert
Median
Mittelwert

Kurze Entscheidung

Eine Geschmacksbewertung liegt meist bei 7. Einige wenige Personen vergeben 1. Welcher Kennwert beschreibt die Mitte meist besser als der Mittelwert?

Labor 3 · etwa 40 Minuten

Wie stark streuen die Werte?

Ein typischer Wert genügt nicht. Zwei Gruppen können denselben Mittelwert besitzen und trotzdem völlig verschieden sein.

Messreihe A

4,84,95,05,15,2

Mittelwert: 5,0 · kleine Streuung

Messreihe B

13579

Mittelwert: 5,0 · grosse Streuung

Spannweite

Maximum minus Minimum. Einfach, aber empfindlich gegenüber Ausreissern.

Varianz

Mittlere quadrierte Abweichung der Werte vom Mittelwert. Grosse Abstände zählen dadurch besonders stark.

Standardabweichung

Wurzel der Varianz. Sie beschreibt die Streuung wieder in derselben Einheit wie die Messwerte.

1Mittelwert berechnen
2Abweichungen vom Mittelwert
3Abweichungen quadrieren
4mitteln = Varianz
5Wurzel ziehen =
Standardabweichung
Konkrete Werte aus der Creme-Tabelle

Gleiche Skala – sehr verschiedene Streuung

MittelwertVarianz VAR.SStandardabw. STABW.S
Creme 15,354,772,18
Creme 24,508,892,98
Creme 36,104,092,02
Creme 42,350,770,88

Creme 2 streut am stärksten, Creme 4 am wenigsten. Da Bewertungen von 1 bis 9 ordinal sind, sind Median und Häufigkeiten für die eigentliche Aussage wichtiger. Die berechneten Werte helfen hier, Varianz und Standardabweichung zu verstehen.

Übung 2

Richtig oder präzise?

Wähle ein Zielbild und ordne es ein:

Übertrage es: Entsteht die Streuung eher durch Messfehler, natürliche biologische Vielfalt oder beides?
Labor 4 · etwa 30 Minuten

Warum prüfen wir die Verteilung?

Manche statistischen Tests rechnen mit einem Modell: Viele Werte liegen nahe am Mittelwert, sehr kleine und sehr grosse Werte sind selten. Diese Form heisst Normalverteilung.

Wenn es ungefähr passt

Bei metrischen Daten können Mittelwert, Standardabweichung und ein t-Test sinnvoll zusammen verwendet werden.

Wenn es deutlich nicht passt

Einzelne Werte können den Mittelwert stark beeinflussen. Dann passen oft Median und ein Rangtest wie Mann-Whitney oder Wilcoxon besser.

Einseitig schief

Viele Werte liegen auf einer Seite, einige wenige ziehen sich wie ein langer „Schwanz“ nach links oder rechts. Mittelwert und Ausreisser reagieren darauf stärker.

Zweigipflig oder bimodal

Zwei Häufigkeitsgipfel können auf zwei unterschiedliche Teilgruppen oder Bedingungen hinweisen. Eine einzige Glockenkurve beschreibt die Daten dann schlecht. Nicht verwechseln: Binomial ist der Name einer Wahrscheinlichkeitsverteilung, zum Beispiel für die Trefferzahl bei mehreren Ja-Nein-Versuchen.

1Nur metrische DatenBei nominalen oder ordinalen Daten ist dieser Schritt nicht nötig.
2Bild ansehenIst die Verteilung ungefähr symmetrisch und ohne auffällige Ausreisser?
3Erst jetzt rechnerisch prüfenEin Normalverteilungstest kann die optische Beurteilung ergänzen. Bei kleinen Stichproben bleibt das Ergebnis unsicher.
Übung 3

Verteilungs-Detektiv

0 / 3

Der Shapiro-Wilk-Test – erst nach dem Anschauen

Die Nullhypothese H₀ lautet hier: „Die metrischen Daten könnten aus einer Normalverteilung stammen.“ Der p-Wert zeigt, wie ungewöhnlich die beobachtete Verteilung unter dieser Annahme wäre.

Vorher wird eine Grenze festgelegt, meistens α = 0,05. Liegt p darunter, ist die Abweichung zu auffällig und H₀ wird verworfen.

p < 0,05: deutlicher Hinweis gegen eine Normalverteilung.
p ≥ 0,05: keine deutliche Abweichung gefunden – aber kein Beweis für Normalverteilung.

Bei gepaarten Messungen: Prüfe die Differenzen, zum Beispiel „nachher minus vorher“.

Die 20 Werte aus der Excel-Tabelle

Konkrete p-Werte vergleichen

Creme 1p = 0,275p ≥ 0,05: H₀ nicht verwerfen
Creme 2p = 0,0049p < 0,05: gegen Normalverteilung
Creme 3p = 0,071p ≥ 0,05: H₀ nicht verwerfen
Creme 4p = 0,018p < 0,05: gegen Normalverteilung

Diese Berechnung zeigt die Logik des Tests. Für die wirkliche Testwahl bleiben die Cremebewertungen jedoch ordinal. Deshalb ist ein Rangtest geeigneter – unabhängig davon, wie der Normalverteilungstest ausfällt.

Labor 5 · etwa 45 Minuten

Ist der Unterschied mehr als Zufall?

Zwei Gruppen unterscheiden sich statistisch signifikant, wenn ihr beobachteter Unterschied mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht nur durch Zufall entstanden ist.

Wovon hängt das ab?

Grösse des UnterschiedsWie weit liegen die Gruppen auseinander?StreuungWie stark unterscheiden sich die Einzelwerte innerhalb der Gruppen?Stichprobengrösse nWie viele unabhängige Beobachtungen liegen vor?

Ein grosser Unterschied, eine kleine Streuung und eine ausreichend grosse Stichprobe sprechen eher gegen eine rein zufällige Abweichung.

Welche Messwerte gehören zusammen?

Diese Entscheidung wird erst jetzt wichtig, weil sie bestimmt, welcher Signifikanztest passt.

Stichprobengrösse n

n zählt die unabhängigen Untersuchungseinheiten – zum Beispiel Personen oder Keimlinge. Mehrfachmessungen derselben Person erhöhen n nicht automatisch.

Unabhängige Gruppen

20 Personen bewerten nur Creme 1, andere 20 nur Creme 4: n₁ = 20 und n₂ = 20. Für ordinale Werte passt etwa der Mann-Whitney-U-Test.

Gepaarte Messungen

Dieselben 20 Personen bewerten Creme 1 und Creme 4. Jeder Wert hat einen Partner; es gibt n = 20 Paare. Für ordinale Werte passt der Wilcoxon-Test.

H₀ · NullhypotheseKein Unterschied

Die beobachtete Abweichung entstand durch Zufall.

H₁ · AlternativhypotheseEin Unterschied

Die Daten sprechen gegen die Nullhypothese.

0,05
H₀ verwerfen
H₀ nicht verwerfen

Wenn vorher α = 0,05 festgelegt wurde, gilt ein Ergebnis mit p < 0,05 als statistisch signifikant.

Vergleiche aus der Excel-Tabelle

Unterschied, Streuung und p-Wert zusammen lesen

Creme 1 gegen Creme 2Median 6 gegen 3,5p = 0,461nicht signifikant
Creme 1 gegen Creme 4Median 6 gegen 2p < 0,001signifikant
Creme 2 gegen Creme 4Median 3,5 gegen 2p = 0,074nicht signifikant
Creme 3 gegen Creme 4Median 7 gegen 2p < 0,001signifikant

Diese Werte gelten für den Mann-Whitney-U-Test, also für unabhängige Gruppen. Wenn dieselben Personen alle Cremes bewertet haben, sind die Werte gepaart und der Wilcoxon-Test ist richtig. Die Untersuchungsanlage entscheidet also mit.

Optische Abschätzung

Überlappen sich die Standardabweichungsbalken?

1050
A
B
Keine Überlappung

Ein deutlicher Unterschied ist plausibel. Ein Test sollte die Aussage trotzdem prüfen.

Überlappung

Der Unterschied kann trotzdem signifikant sein. Aus dem Bild allein folgt nicht „kein Unterschied“.

Kurze Entscheidung

Ein Test ergibt p = 0,18. Welche Aussage ist korrekt?

Labor 6 · etwa 45 Minuten

Welcher Test passt?

Gehe immer in derselben Reihenfolge vor: Frage → Datenart → Untersuchungsanlage → Verteilung → Test.

Interaktiver Testfinder

Baue deine Untersuchung zusammen

Passender TestWelch-t-Test

Die wichtigsten Wege

Nominal

Häufigkeiten vergleichen oder Zusammenhang prüfen

Chi-Quadrat-Test
bei kleinen Häufigkeiten: Fisher-Test
Ordinal

zwei unabhängige Gruppen

Mann-Whitney-U-Test
Ordinal

zwei gepaarte Messungen

Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test
Metrisch

zwei unabhängige, ungefähr normale Gruppen

Welch-t-Test
Metrisch

zwei gepaarte Messungen; Differenzen ungefähr normal

gepaarter t-Test
Generalprobe

Vier Cremes im Vergleich

20 Personen bewerten jede Creme von 1 bis 9. Creme 1 hat einen Median von 6, Creme 4 einen Median von 2. Die Verteilungen sind nicht normal.

Abschluss · zwei mögliche Wege

Jetzt wird es eure Forschung

Du kannst diesen Bereich sofort mit einer Idee ausfüllen oder später mit den echten Daten zurückkehren. Deine Eingaben bleiben auf diesem Gerät gespeichert.

KursfortschrittSchliesse die sechs Lernlabore ab.
Optional: eigene Zahlen aus Excel prüfen

Kopiere zwei Zahlenspalten aus Excel hier hinein. Trenne Werte durch Zeilenumbrüche, Leerzeichen oder Semikolon. Die Daten verlassen dieses Gerät nicht.

Vorgeschlagener AuswertungswegFülle zuerst die Datenart aus.

Beispiel einer vollständigen Ergebnisformulierung

Fragestellung: Werden Creme 1 und Creme 4 unterschiedlich bewertet?

Daten: Ordinale Bewertungen von 1 bis 9; dieselben 20 Personen prüften beide Cremes.

Beschreibung: Der Median betrug bei Creme 1 sechs Punkte und bei Creme 4 zwei Punkte.

Test: Wegen der gepaarten ordinalen Daten wurde der Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test verwendet.

Aussage: Bei p < 0,05 wird H₀ verworfen. Die Bewertungen unterscheiden sich statistisch signifikant. Für die praktische Bedeutung werden zusätzlich die Verteilungen und die Grösse des Unterschieds betrachtet.